Two stars in the milky way/Yinhe shuangxing (1931)

Two stars in the milky way erzählt die Liebegeschichte zwischen einem berühmten Schausspieler und Yueh-Ying, einer talentierten jungen Sängerin und ergebenem Tochter, die mit ihrem Vater auf dem Land gewohnt hat, bevor sie dank ihres Talents in der Kinowelt debutiert. Als die beiden Verliebten in einem alten chinesichen Klassiker Love’s sorrow in the Eastern Chamber mitspielen, werden sie auch in der (filmischen) Wirklichkeit zum Paar”. Die Kontinuität zwischen Kino und (filmischem) Leben wird durch das Motiv des “Films im Film” visualisiert.
Diese ziemlich lange, eigenartige Sequenz (Mikrobewegungen, Theater-Kino) ist in der eigenen  Dynamik der Film-Erzählung ein wichtiger Moment, der die weitere Entwicklung der Geschichte einführt und andeutet : die leidenschaftliche und unvermeidbare Liebe zwischen den beiden, die hinter der Kamera und unter den historischen Kostumen dieser Kinoinszenierung entsteht, verspricht nichts Gutes,  sondern hat etwas märchenhaftes und aber auch suspektes. Am Ende stellt heraus, dass der junge Mann schon verheiratet war und kehrt die junge Li empört zum Vater und Landidylle zurück. Soweit erzählt Two stars in the milky way eine ziemlich bruchlose und konventionelle Geschichte, die als ethische Parabel beendet: der Film reetabliert am Ende die ursprüngliche soziale Ordnung und betont den Unterschied zwischen Kino, als Sphäre des Romantischen und Unrationalen und dem wirklichen Leben, als Ort des Pragmatismus und der sinnvollen Entscheidungen.

Jenseits der erzählerischen Ebene, ist der Film jedoch ein selbstreflexiver und eine poetischer Tribut an die noch junge Erfindung des chinesischen Films. Als Two stars in the milky way 1931 von Tomsie Sze gedreht wurde, war es noch keine zehn Jahre her seit der erste Langfilm Orphan rescues grandfather 1923 von dem Shangaier Filmstudium Ming Xing produziert wurde. Seitdem hatte die wachsende Filmindustrie, in über 45 Filmproduktionen, mit Unterstützung durch ausländisches Kapitals ein Starsystem aufgebaut, mit seinen Diven, Gattungen und Hierarchien. So belegt Two stars in the milky way, die Faszination für ein Kino, das zwischen Volksattraktion, lukrativer Maschine und didaktischen Zwecken oszilliert.

Im diesen Sinne sehe ich die erste zehn Minuten im Film als eine Hommage an das Kino und an seine Fähigkeit mehrere Geschichten gleichzeitig zu erzählen, zu unterbrechen und ineinander fließen zu lassen.Wir sehen in Parallelmontage die Dreharbeiten an einem outdoor-Film von einem Regisseur Namens Kao alterniert mit den Szenen des Alltags von Li und ihrem Vater in ihrem Haus, das in der Nähe situiert ist. Das Bindeglied zwischen den beiden Handlungsträngen ist Lis Gesang, der die Aufmerksamkeit und Bewunderung aller Beteiligten an dem Filmdreh auf sich zieht: wir können Lis Gesang nicht hören, da Two stars in the milky way ein Stummfilm ist und nur ihre Stimme imaginieren und gleichzeitig zuschauen, wie jeder Darstellern im Film sie zuhört. Dieser Imaginationsakt erklärt das Kino als Wunder und als Fiktion und als solches, wie das Glauben von unserer Seite braucht, um weiter erzählen zu können.

Two stars in the milky way/Yinhe shuangxing, Regie: Tomsie Sze, Darsteller_Innen: Yeh Chuen Chuen, Kao Chien Fei, Produktion: United Photoplay Service, 1931.

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