Uproar in Heaven

Nachdem ich unlängst etwas ratlos, wenngleich fasziniert, vor den animierten Kurzfilmen Te Weis saß, dachte ich, ich fange meine Annäherung an die Geschichte des chinesischen Animationsfilms vielleicht doch erstmal mit einem Klassiker an.

Der federführend von Wan Laiming (18.1.1899-7.10.1997) verantwortete Uproar in Heaven (auch als Havoc in Heaven) wendet sich wie schon die ebenfalls von den Wan-Brüdern produzierte erste chinesische Langfilmanimation Princess Iron Fan (1941) einem Stoff aus der klassischen Erzählung Journey to the West zu. In zwei Teilen 1961 und 1964 realisiert, wurden die beiden Teile des Films, die weniger wie unabhängige Teile denn wie Akte eines Dramas wirken, 1965 uraufgeführt.

Im Zentrum der Handlung steht der Affendämon Sun Wukong der sich der strikten Hierarchie des Hofstaates des Jadekaisers verweigert.

Sun Wukong lebt auf dem Berg der Blumen und Früchte mit einer ganzen Horde kleiner Affen. Auf der Suche nach einer ihm würdigen Waffe bekommt er einen Wunderstab in die Hände, der eigentlich dazu da war, das Meer zu kühlen. Kurz darauf wird er ein erstes Mal in den Hofstaat des Jadekaisers im Himmel gerufen. Doch die Versuche Sun Wukong mit kleinen Pöstchen abzuspeisen sind allzu auffällig. Er verläßt den Himmel ohne Erlaubnis des Jadekaisers und beansprucht in der Folge den Titel “Großer Weiser”.

Mit stilistischen Anleihen an Dramaturgie, Musik und Erscheinungsbild der Peking Oper inszeniert Wan Laiming die klassische Erzählung. Die Anleihen an die Gegenwart schien dabei offensichtlich zu sein. Sun Wukong wurde spätestens mit dem Film als – auch von Mao selbstgewähltes – Symbol der Kulturrevolution bekannt. Hierzu dürfte auch die Uraufführung 1965 – ein Jahr vor dem Einleiten der Kulturrevolution – beigetragen haben. Der Film machte den Affendämon als Inbegriff antibürgerlicher Revolte (als die die Kulturrevolution in West-Europa zumeist rezipiert wurde) so bekannt, dass Milo Manara 1976 ein Comic mit dem “Affenkönig” als Hauptfigur realisierte.

Die Spur Kulturrevolution, auf die die Adaption durch einen antibürgerlichen Para-Maoisten wie Manara verweist, trifft jedoch nur teilweise zu: Jonathan Clement betrachtet den Film als Ausdruck der Pluralität in der Folge der sogenannten Hundert Blumen Kampagne.  Das wirft erneut die Frage auf, welche Wirkungsdauer die einzelnen Episoden der Parteipolitik hatten. Gemeinhin wird die Hundert-Blumen-Bewegung als Zeitspanne im ersten Halbjahr 1957 gesehen. Die Entstehungsgeschichte von Uproar in Heaven legt jedoch nahe, dass die Nachwirkung der Politik der folgenden Repression zum Trotz länger anhielt.
Die Geschichte der Hundert Blumen Kampagne ist auch deswegen interessant, weil just jener Text mit dem Mao zunächst seine Unterstützung für die Kampagne zum Ausdruck brachte, Zur Frage der richtigen Behandlung von Widersprüchen im Volk (Rede gehalten am 27.2.1957, modifiziert publiziert im Juli 1957) einer der zentralen Text für die Rezeption des Maoismus in Europa war, wie sich nicht zuletzt an Althussers Widerspruch und Überdeterminierung erkennen läßt.

Uproar in Heaven ist ein in mehrfacher Hinsicht zentrales Werk: einerseits markiert es den Schaffenshöhepunkt von Wan Laiming als Pionier des chinesischen Animationsfilms, andererseits wirft der Film stellvertretend für viele andere Animationsfilme die Frage nach den Deutungsmöglichkeiten politischer Allegorien auf. Der Film gibt ebenso wie sein Protagonist Sun Wukong Anhaltspunkte für sehr politische oder un-politische Deutungen. Wie zentral die Figur für seinen Regisseur war zeigt sich nicht zuletzt im Titel der 1986 erschienenen Erinnerungen Wan Laimings: Wo yu Sun Wukong (Monkey King and me) (Taiyuan: Beiyue wenyi chubanshe).

Kurzer Nachtrag zu der Hundert-Blumen-Kampagne: ich habe gerade festgestellt, dass der wichtigste Filmpreis Chinas Hundert-Blumen-Preis heißt. Auch zeitlich ist die Nähe zu der Kampagne interessant, das erste Mal 1962 verliehen, 1963 ein zweites Mal und dann erst wieder 1980 nach der Kulturrevolution.

Uproar in Heaven (Da’nao tiangong)
Regie: Wan Laiming (andere Quellen nennen auch Wan Guchan als Ko-regisseur für den ersten Teil und Wan Chaochen, Wan Dihuan als Ko-regisseure für den zweiten Teil)
Drehbuch: Li Keruo, Wan Laiming
Produktion: Shanghai: Shanghai Animation, 1961 (Erster Teil)/ 1964 (Zweiter Teil)

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